 Trophy Herkunft Deutschland 2003 Preisträger: Armin Diel und Joel B. Payne Autoren des Magazins Alles über Wein und des Gault Millau WeinGuide Deutschland Laudatio von Herrn Ulrich Kienzle Kein Journalist lebt so in ständiger Versuchung wie der Weinjournalist. Dagegen wirken die gelegentlichen Anfechtungen der politischen Journalisten geradezu lächerlich. Für Wirtschaftsjournalisten ist die Anfechtung bekanntlich ein Dauerzustand, manche Kritiker sehen darin schon eine Vorstufe zur Korruption. Der Reisejournalismus ist dann die glückliche Vollendung derselben ohne dass die Beteiligten es noch merken, weshalb auch verständlich wird, dass die Betroffenen nicht einmal einen Hauch schlechten Gewissens empfinden. Über die Motorjournalisten reden wir erst gar nicht. Ganz anders ist es mit dem Weinjournalisten. Er ist mutig, selbstbewusst und eigenwillig, gewissermaßen die Krone des Journalismus. Der Traumjob, bei dem Denken, Schreiben und Genießen eine geradezu rauschhafte Verbindung eingehen. Eine Klasse für sich eben. Aber: wer in diesem Job überleben will, braucht die inbrünstige Enthaltsamkeit eines Heiligen Antonius und die Leber eines Berufstrinkers. Es gehören fast eine übermenschliche Kraft dazu, diesen ständigen körperlichen und seelischen Strapazen gewachsen zu sein. Und in dieser Welt ständiger bachanaler Verlockungen nüchtern oder gar bei Verstand zu bleiben. Die beiden Ausgezeichneten haben diese Herkulesarbeit geleistet. Das allein ist schon preisverdächtig. Stellen Sie sich vor: Früher hat jeder der beiden 5000 Weine pro Ausgabe des Gault Millau probieren müssen. Niemand kann ermessen, welche Höllenqualen es bedeutet, die edlen Kreszenzen wieder von sich zu geben und nicht zu schlucken. Verhinderte Genussorgien! Andernfalls bestünde ja die Gefahr im Delirium zu enden und nicht bei einer neuen Ausgabe des Gault Millau. Heute haben sie glückliche Mittrinker. Aber das finale Verkosten von 150 der edelsten Weine lassen sie sich nicht entgehen. Es ist ihr oenologisches Hochamt. Frei nach dem Ikea-Motto: trinken sie noch oder genießen sie schon? Die beiden werden ausgezeichnet, weil sie sich schon in ihren Kolumnen in „Alles über Wein“ um den deutschen Wein verdient gemacht haben und mit ihrem Weinführer ein unersetzliches Standardwerk geschaffen haben. Das können auch ihre heftigsten Kritiker nicht bestreiten. Dieser WeinGuide ist das Ergebnis einer langen Leidenszeit. Ich weiß, wovon ich rede. Ich weiß, was es bedeutet zu zweit ein gemeinsames Projekt abliefern zu müssen. Ich sage nur Hauser! Es erfordert eine unendliche Leidensfähigkeit. Während wir uns aber über so übersinnliche Dinge wie Haushalts- und andere Löcher gefetzt haben, streiten sich Payne und Diel um so essentielle Fragen wie: ist der Körper oder die Eleganz eines Weines höher einzuschätzen? Sie brauchen die beiden Herren nur anzuschauen um zu verstehen, wer den Körper und wer die Eleganz höher schätzt. Für ältere Cineasten lässt sich über Diel kalauern: der Payne war sein Schicksal. Dass die beiden zusammengekommen sind, ist ohnehin ein Wunder. Diel hat als Gastrokritiker schon in jungen Jahren Furore gemacht. Ein Satz von ihm ist Rechtsgeschichte geworden. „Der Lachs schien den beschwerlichen Weg von Eckernförde nach Münster auf dem Fahrrad zurückgelegt zu haben“. Das Gericht hat schließlich nach 10 Jahren Mammutprozess dieses freche Urteil des Gastrokritikers Diel im wahrsten Sinne des Wortes bestätigt. Der „Westfälische Friede“, so hieß das Restaurant tatsächlich, war wieder hergestellt. Joel Payne hat auf ganz andere Art und Weise zum Wein gefunden. Er hat sich ihm auf recht umständliche Weise genähert: Über Indonesien und Afrika ist er Armin Diel zunächst aus dem Weg gegangen. Dort war er als Entwicklungshelfer tätig, was mit Wein nicht viel zu tun hatte. Sein Erweckungserlebnis hatte er schließlich in Paris, wo er ein Jahr lang Barmann in Willis Weinbar war. Danach machte er den Mundschenk im Restaurant Gala in der allseits bekannten Weinstadt Aachen. Heute nennt man ja so was Sommelier. Am Ende war er gar Deutschlands bester. Das sind Grundlagen, die den Blick fürs Wesentliche schärfen und die immun machen gegen neidische Kritiker, die Payne und Diel gewisse Eigensüchteleien vorwerfen, weil sie auch noch einen Nebenjob haben. Was die Kritiker nicht sehen wollen: gerade die Überwindung dieser beruflichen Beschränktheit ist ihre wahre Leistung. Deshalb muss man ihre geradezu hemmungslose Objektivität bewundern. Einer von ihnen steckt in einem ganz besonderen Diel-lemma. Seine Konsequenz: Das eigene Weingut an der Nahe wird nicht bewertet. 
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